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Ostösterreich erwartet heuer "sehr magere" Getreideernte

Witterungsverlauf zeigt: Ernteerfolg ist überwiegend vom Klima abhängig.
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Die Gesamtgetreideernte in Österreich wird heuer von äußerst schwachen Erträgen im Landesnorden und -osten bestimmt. Während von St. Pölten westwärts eine sehr gute Ernte erwartet wird, hat die "Kornkammer" Österreichs - also die Bundesländer Niederösterreich, Burgenland und Wien - heuer mit allen Witterungswidrigkeiten zu kämpfen "die es in der freien Natur gibt". "Trockenheit-, Hagel- und Frostschäden sind die Ursachen dafür, dass auf den rund 50.000 ha mit der Hauptkultur Weizen von den Durchschnittserträgen in Höhe von fünf bis sieben Tonnen heuer "oft nicht einmal ein Drittel auf den Feldern steht", teilte Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, bei einer Pressefahrt mit. Vorsichtige Schätzungen gehen von einer Gesamtgetreidemenge (ohne Mais) von 2,592.135 t gegenüber 3,216.238 t im Vorjahr sowie Hektarerträgen von 4,43 t (5,52 t/ha) aus. Um die Existenzen der Ackerbaubetriebe abzusichern, sei es notwendig, verlässliche Risikobegrenzungsmodelle für die Zukunft zu schaffen. Ebenso wichtig sei es aber auch, die agrarpolitischen Rahmenbedingungen, wie sie derzeit für die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) verhandelt werden, auf eine zukunftsfähige und nachhaltige Bewirtschaftung auszurichten.

Niederösterreichs Ackerbauern hoffen auf gute Qualitäten

Während Westösterreich von den Niederschlägen begünstigt gewesen sei und normale Bestände auf den Feldern stehen, rechne der Osten mit einer Ernte "auf 60er-Jahre-Niveau", bringt es der Vorsitzende des Pflanzenbauausschusses der LK Niederösterreich, Andreas Leidwein, auf den Punkt. Trockenheit und Fröste haben vor allem dem Weizen und der Sommergerste stark zugesetzt. Die Folge ist eine schwache Bestandsentwicklung, die zu niedrigeren Ertragserwartungen führt. "Im Vergleich zum überdurchschnittlichen Vorjahresergebnis gehen wir derzeit bei Weizen von -32%, bei Durum von -40% bei gleichzeitiger Flächenreduktion sowie von einem Drittel weniger bei Sommergerste aus", präzisierte Leidwein. Nach dem Spätfrost Mitte Mai musste zudem mehr als die Hälfte der Ölkürbisbestände neu angebaut werden. Ebenfalls betroffen, wenn auch in geringerem Ausmaß, waren Sojabohne, Sonnenblume und Körnererbse. Nun sei zu hoffen, dass das Erntewetter und die Qualitäten passen, so Leidwein.
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Burgenlands Ernte dürfte um 50% unter Vorjahresergebnis liegen

Nach den Worten von LK-Präsident Franz Stefan Hautzinger "sehr bescheiden" sieht die Lage auch auf den 112.000 ha Ackerfläche des Burgenlandes aus. Ein deutliches Zeichen für dramatisch schlechte Erträge sei bereits der frühe Erntebeginn. "Die langanhaltende Trockenheit seit dem Herbst hat sogar beim Wein zu einem verhaltenen Wachstum geführt", so Hautzinger. Entsprechend düster sieht auch seine Prognose für den Ackerbau aus: So werde die Getreideernte 15 bis 20% unter dem langjährigen Durchschnitt liegen und gegenüber dem Vorjahr um etwa 50% weniger ausmachen. Für die Landwirte bedeute dies "ein sehr mageres Einkommen", denn laut Deckungsbeitragsrechnung wären rund 3.000 kg Getreide nötig, um die Produktionskosten abzudecken - Fixkosten und ein eventueller Lohn noch nicht mitgerechnet. "Das macht deutlich, dass die Ausgleichszahlungen wesentlich für die bäuerliche Einkommensbildung sind und bei der, im Rahmen der GAP-Reform, vereinbarten Änderung des Prämienmodells vom bisher in Österreich gültigen historischen zum künftigen Regionalmodell 'intelligente Lösungen' - unter Berücksichtigung der Gegebenheiten im Ackerbau - gefordert sind", so Hautzinger.

Hautzinger: Regionalmodell für Ackerbaugebiete

"Wir müssen alle möglichen Spielräume der EU in der Unterscheidung von Regionen und Intensitätsgrenzen, wie extensive und intensive Bewirtschaftung, nutzen und lange Übergangsfristen für die Betriebe ermöglichen. Die Regionalmodelle müssen, um Sinn zu ergeben, Gebiete mit gleichen Voraussetzungen und Möglichkeiten zusammenfassen. Sachlich gerechtfertigte Unterschiede werden nötig sein, um die Konkurrenzfähigkeit zum Ausland zu sichern und die Existenz vieler Betriebe nicht zu gefährden", fordert der LK-Präsident, auch im Hinblick darauf, den enormen Strukturwandel, dem speziell die Ackerbauregionen Österreichs laut der jüngsten Agrarstrukturerhebung ausgesetzt sind, zu bremsen, "damit die flächendeckende und nachhaltige Landwirtschaft sowie die innerösterreichische Ernährungssouveränität erhalten bleiben".

Ausgleichszahlungen für Hauptproduktionsgebiete verankern

Auch sein Kollege aus Wien, LK-Präsident Franz Windisch, ist der Ansicht, dass die Verankerung von angemessenen Ausgleichszahlungen für die Hauptproduktionsgebiete Österreichs in der GAP 2014 bis 2020 "mehr denn je erforderlich ist", um diese ständige Mengen- und Preisvolatilität bei Ackerkulturen abzufedern. "Als Landwirt arbeitet man mit und in der freien Natur. Da gibt es keine Garantie für einen optimalen Produktionsverlauf, sondern man muss mit den Wetterrisiken gekonnt umgehen. Nichtsdestoweniger bedeutet eine geringere Ernte ein niedrigeres Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern und letztendlich auch, dass weniger Rohstoffe für die Lebensmittelversorgung zur Verfügung stehen.

Windisch: Kein rosiges Jahr für Wiener Ackerbauern

Auch den Wiener Ackerbauern, die auf rund 3.000 ha in der Bundeshauptstadt hauptsächlich Weizen anbauen, haben fehlende Winterniederschläge "das Genick gebrochen". Tiefe Temperaturen im Jänner haben bei Wintergetreide und Winterraps zu Auswinterungsschäden geführt. Anhaltende Trockenheit stellte erneut schwierige Bedingungen für die Winterungen wie auch für die Frühjahrskulturen dar. Der Spätfrost im Mai hat zusätzlich große Schäden verursacht. Neben Äpfeln und Kirschen wurden vor allem Mais, Rüben, Kartoffeln, Sojabohnen, Erdbeeren und Feldgemüsekulturen stark in Mitleidenschaft gezogen. Mancherorts kam es sogar zu Totalausfällen und zu einer zwingenden Neuanlage der Kulturen. Die größeren Niederschlagsmengen im Juni hatten keinen Einfluss mehr auf die Qualität und Erträge bei Getreide und Winterraps. LK-Präsident Windisch rechnet mit einem Minus von 30% bis 50% gegenüber dem letzten Jahrzehnt. "Im Vergleich zur Gesamternte 2011 sind bei Getreide und Mais, ausgenommen Triticale, ausschließlich Ertragseinbußen zu erwarten. Lediglich bei Soja ist anhand der Berechnungen mit einer Zunahme des Gesamtertrages, aufgrund des enormen Flächenzuwachses von 300%, zu rechnen."

Hoffen auf stabile Getreidenotierungen

Was die Preissituation angesichts der sehr mageren Getreideerträge 2012 betrifft, hoffen die Landwirte auf ein ähnlich stabiles Preisniveau wie bisher. Konkrete Zahlen werden sich aber erst in den nächsten Wochen abzeichnen, wenn auch Ernteergebnisse aus anderen EU-Staaten und von weiteren großen Getreideproduzenten vorliegen. "Lokale Ereignisse, wie wir sie heuer in Ostösterreich vorfinden, haben keinen Einfluss auf dem globalisierten, liberalen Markt", bestätigt Ernst Gauhs, RWA-Bereichsleiter für die Getreidevermarktung, "denn sowohl Ungarn als auch Frankreich dürften hohe Erträge einfahren, womit lokale Ausfälle ausgeglichen werden können". Auch das US-Landwirtschaftsministerium rechnet mit höheren Lagerbeständen, was sich preissenkend auswirken würde. Auch in Russland und der Ukraine seien schwache Ernten zu erwarten. Das seien erste Anzeichen für eine global knappe Versorgungslage, so der Experte.

Da helfen auch die bislang recht guten Qualitäten der bereits gedroschenen Kulturen nichts, wenn es an der Menge fehlt. Ein Proteingehalt von 18% - also Premiumqualität - und ein Hektolitergewicht zwischen 79 und 82 bei Weizen, haben selbst Präsident Windisch überrascht. Bei Wintergerste sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich - von 1.000 bis 5.000 kg sei alles drin, erläutert Hannes Lang, Aufsichtsratsvorsitzender der RWA Raiffeisen Ware Austria AG, der für die heimischen Getreidebauern die Vermarktung ihrer Ware vornimmt und seit dem Vorjahr über ihre Tochter BGA Bio Getreide Austria GmbH auch in der Vermarktung von Bio-Getreide tätig ist. Bei Raps sind ebenfalls sehr gute Ergebnisse mit 1.000 bis 3.000 kg/ha möglich, abhängig vom Anbauzeitpunkt. Eine hervorragende Qualität, aber Erträge die 60% unter dem Vorjahresergebnis liegen, werden auch Winterdurum bescheinigt. Kein berauschendes Ergebnis gibt es bei Sonnenblumen. Für die Herbstkulturen hofft man - bei exzellentem Status quo - nun auf ausreichend Regen.

"Greening" ist "Irrweg" für Österreich

Angesichts dieser Tatsachen sei der Vorschlag von EU-Kommissar Dacian Ciolos, im Zuge des "Greenings", mit dem die Agrarpolitik umweltfreundlicher werden soll, 7% der Ackerflächen verbindlich aus der Produktion zu nehmen, aus österreichischer Sicht ein "Irrweg", bekräftigte LK Österreich-Präsident Wlodkowski, zumal der Getreidebedarf weltweit weiter steigt und diese Flächen für die Nahrungsmittelversorgung benötigt werden. Daher gebe es bereits intensive Verhandlungen mit Ciolos, nicht nur die Biobauern als ökologische Bewirtschafter vom "Greening" auszunehmen, sondern ebenso die Teilnehmer am Österreichischen Umweltprogramm (ÖPUL). Laut Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich soll es dazu bereits eine Vereinbarung geben. Details seien aber noch auszuformulieren, so Wlodkowski. Er gehe aber davon aus, dass "das Programm sich so darstellen wird".

Windisch schlägt vor, auf diesen sogenannten ökologischen Ausgleichsflächen die Bewirtschaftung mit Low-Input-Kulturen wie Sojabohne, Erbse oder Leguminosen zuzulassen. Das wäre 'öko-logisch' und würde dazu beitragen, die Eiweißlücke GVO-frei in Österreich zu schließen, "denn mit jeder zusätzlichen Tonne leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und sichern unsere Unabhängigkeit bei der Lebensmittelversorgung", so der LK-Präsident. In Wien hat bereits eine Verschiebung der Anbauflächen stattgefunden. Seit dem Vorjahr hat sich die Sojafläche verdreihundertfacht, während die Maisfläche deutlich zurückgegangen ist.
03.07.2012
Autor:Mag. M. Wolf
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