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Saarland: Von Kahlschlag auf Einzelstammnutzung umgestellt

Das Grenzland mit einer Million Einwohnern war sowohl nach dem Ersten als auch nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen und ist erst nach einer Abstimmung 1959 wieder deutsches Bundesland geworden.
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Galerie: Laubwald im Saarland
Das Saarland hat 90.000 ha Wald, das sind nicht einmal 1% des deutschen Waldes. 40.000 ha sind Staatswald, der in 33 Reviere untergliedert ist. 115 Forstarbeiter und insgesamt 200 Beschäftigte betreuen diesen Wald. Die restliche Waldfläche verteilt sich zu fast gleichen Teilen auf den Kommunal- und überwiegend kleinen Privatwald. Im Staatswald überwiegt der Laubwald mit 70% mit einem hohen Buchenanteil (40%). Wegen der Einnahmen beabsichtigt man, den Nadelholzanteil (Tanne, Douglasie) von rund 30% beizubehalten. Der durchschnittliche Holzvorrat ist im Staatswald mit 340 Vfm/ha hoch, er soll wegen der Ausdunkelung von Eiche und Edellaubholz nicht über 350 Vfm steigen. Es gibt Immissionsschäden und damit verbunden Bodenversauerung, pro Jahr und Hektar werden 35 kg Stickstoff eingetragen. Wie bei uns ist die Ulme durch das Ulmensterben weitgehend ausgefallen, derzeit kränkelt die Esche sehr stark.

10% der Staatswaldfläche sind NATURA-2000-Schutzgebiete. Der Jahreseinschlag macht 230.000 Fm aus, wovon die Hälfte motormanuell genutzt wird. Maschineneinsätze werden von Unternehmern ausgeführt. 1990 wurde auf Einzelstammnutzung umgestellt. Bis auf wenige Ausnahmen – entlang von Straßen – gibt es keine Kahlschläge mehr, das Laubholz wird im Winter eingeschlagen. 30% der Erlöse kommen vom Brennholzverkauf. Birke erreicht als Furnierholz Preise von bis zu EUR 600,- je Fm, Eberesche sogar bis zu EUR 2.000,-. Bei der Elsbeere kann ein Holzmasseanteil von 1 bis 2% einen Erlösanteil bis zu 50% ausmachen. Wertholz wird grundsätzlich nur bei Submissionen verkauft.

Schwierige Jagd

Die Jagd ist im Bereich der Siedlungen wegen der Ausflügler und in den dichten Beständen schwierig. Auf zwei Dritteln der Staatswaldfläche wird die Jagd in Eigenregie betrieben – Einteilung in Pirschbezirke, der Rest ist verpachtet, Pachtpreis ca. EUR 15,- pro Hektar und Jahr. Für Rehe gibt es einen Mindestabschuss von sieben Stück/100 ha. Aus den landwirtschaftlichen Flächen und den angrenzenden Jagden strömt viel Wild in den Staatswald, der Verbissdruck ist groß und daher werden bis zu 35 Rehen auf 100 ha erlegt.

Sturmflächen haben sich gut entwickelt

Der Sturm "Wiebke“ hat 1990 eine 8,7 ha große Buchenaltholzfläche mit einem durchschnittlichen Vorrat von mehr als 600 Vfm/ha geworfen. Das Stammholz wurde von Rückelinien aus aufgearbeitet, das Kronenholz ist weitgehend liegen geblieben. Die Fläche war daher für das Wild unattraktiv, zusätzlich wurde sie stark bejagt. Die Fläche hat sich von einem angrenzenden Bauerwald mit vielen Baumarten – auch Weichlaubbaumarten – gut verjüngt und weitgehend störungsfrei entwickelt.

Eine nach fünf Jahren durchgeführte Verjüngungsinventur hat pro ha 12.000 junge Buchen und 6.000 Eichen nebst ausreichend Nadelbaumarten ergeben. Es wurden im Abstand von 20 m Zugangslinien eingelegt und punktweise Eingriffe überlegt, vor allem wurden Birken zugunsten der supervitalen Eichen geknickt, für die Schatten ertragenden Buchen war diese Maßnahme nicht notwendig. Man hat aber auch supervitale Exemplare anderer Baumarten wie Birke, Eberesche und Elsbeere begünstigt.

Diese Arbeiten wurden von dafür extra geschulten Waldarbeitern gemacht, die vor allem viel Überlegung bedurfte. Später hat man Auslesebäume überwachsende Exemplare geringelt oder sogar in 5 bis 6 m Höhe geköpft, indem diese umgebogen wurden. Ein Einschnitt in den Splint hätte den aufsteigenden Saftstrom unterbrochen und zu einem unerwünschtem raschen Ausfall der Bedränger geführt. Da sich diese Pflegeeingriffe nur auf die Klumpen beschränkten, lag der Arbeitsaufwand bei zehn Stunden je Hektar.

Im Saarland dürfen zur Brut- und Setzzeit bis 25.07. keine Motorsägen und Freischneidegeräte im Wald (Dickungen) verwendet werden. Ab 12 cm BHD (Brusthöhendurchmesser) und 12 m Baumhöhe werden keine Bäume mehr geringelt, weil diese Dürrlinge später eine Gefahr für die Waldarbeiter sein könnten. Holz unter 10 cm Durchmesser bleibt im Saarland zur Rückführung der Nährstoffe im Wald liegen. Die Eingriffe erfolgen in regelmäßig in Abständen von vier bis fünf Jahren.

Mangelnder Astreinigung wird mit Astung nachgeholfen. Die rasch wachsende Birke kommt bereits in die Dimensionierungsphase, in welcher sich die Kronen dynamisch entwickeln müssen. Das anfallende Holz über 10 cm wird als Brennholz verkauft, zur Rückung werden wieder Pferde verwendet, was die Sympathie bei der Bevölkerung gesteigert hat. Rückegassen haben einen Abstand von 40 m, die schädliche Bodenverdichtung durch die Maschinen wird damit auf 10 bis 12% der Waldfläche eingeschränkt.

Revier Gersheim

Ein 50-jähriger Laubwald mit 50% Buche und viel Edellaubholz auf gutem, aber sommertrockenem Standort nach drei Dimensionierungseingriffen. Nach einem trockenen Sommer sind auf der unbehandelten Nullfläche die Bäume aus Wassermangel im August braun geworden, während die freigestellten Auslesebäume grün geblieben sind. In diesem Bestand sind noch fünf Dimensionierungseingriffe vorgesehen, wobei jeweils fünf bis sechs Konkurrenten der Auslesebäume entnommen werden, dies geschieht ohne Rücksicht auf die Holzmarktlage.

Der Holzvorrat pro Hektar wird zwischen 230 und 270 Vfm gehalten, der Zwischenbestand sichert die Massenleistung. Eiche und Buche stehen noch in der Dimensionierung, während die rasch wachsenden Birken, Ahorne und Kirschen bereits in die Reifephase treten und bald genutzt werden. Die entstehenden Löcher werden die Buchen ausfüllen. Die Abstände der früher reifen Bäume zu den Eichen- und Buchenauslesebäumen sind daher geringer (8 bis 10 m). Manche Eichenauslesebäume haben Krümmungen, die sich nach den Angaben der Forstleute später auswachsen.

Laubwertholzerzeugung

Die Laubwaldbewirtschaftung war Schwerpunkt einer Exkursion von Pro Silva Austria vom 17. bis 20.04.2012. Die Exkursionen führten nach Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, in das Saarland und in das angrenzende Frankreich.
Links zum Thema
  • Laubwertholzerzeugung mit geringem Aufwand
  • Alt- und Totholzlebensgemeinschaften im Saarland
  • Frankreich – eines der waldreichsten Länder in Europa
  • In Lothringen fallen 80 Prozent als Brennholz an
  • Qualifizierung und Dimensionierung als Strategie
21.06.2012
Autor:Ing. Roman Schmiedler
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