Die richtige und ausreichende Versorgung der Tiere mit Mineralstoffen ist eine der Grundvoraussetzungen für die Gesundheit und Fruchtbarkeit. Fachmann Günther Wiedner, Fütterungsreferent der LK und Leiter des Futtermittellabors Rosenau, betont: "Wer hier Fehler macht, sei es durch Unter- aber auch durch Überversorgung, riskiert enorme finanzielle Verluste. Nur eine Ration mit einer entsprechend
ausgewogenen Versorgung der Rinder mit Mineralstoffen garantiert die gewünschte Leistungsbereitschaft".
"Tiere müssen im Kopf klar sein"
Das Thema Fruchtbarkeit gilt bei Mutterkühen als Dauerbrenner. Hier können Sie nachlesen, was Praktiker und Fachleute auf der kürzlich in der LK NÖ stattgefundenen Fachtagung an Aktuellem und Bewährtem zu diesem Thema zu berichten hatten.
Eine problemlose Geburt ist für das Kalb ein
guter Start ins Leben und für die Kuh ein guter
Weg zur nächsten Trächtigkeit. © LK NÖ/Bittermann |
Fruchtbarkeit und Geburt
Tierarzt Bernhard Samm aus Lanzenkirchen verglich das Fruchtbarkeitsmanagement mit einem Marathonlauf. Zum erfolgreichen Marathon gehört eine entsprechende Trainingsphase, die nicht erst kurz vor dem tatsächlichen Wettbewerb beginnt. Es gilt, die Kühe 365 Tage im Jahr in optimaler Kondition zu halten. "Die Fütterung, die Haltungsbedingungen, die Tierbeobachtung, gesunde Klauen und Gliedmaßen müssen gewährleistet sein", so Samm. "Dann haben Mutterkühe beste Voraussetzungen, die geforderten Leistungen zu erbringen." In den ersten dreißig Tagen, das ist ein Zehntel der gesamten Laktation, wird fast die Hälfte aller Behandlungen durchgeführt. Ein Viertel davon betreffen Probleme mit der Fruchtbarkeit.
Tipps vom Spezialisten:
Die problemlose Geburt beginnt bei der Wahl des Besamungsstieres. Bei der künstlichen Besamung und beim Sprungstier muss man auf die Kuhherde Rücksicht nehmen.
Tipps vom Spezialisten:
Tipps vom Spezialisten:
- Beurteilen Sie regelmäßig die Körperkondition Ihrer Kühe.
- Sorgen Sie für ein leistungsangepasstes Fütterungsregime.
- Bilden Sie, wenn es die betrieblichen Voraussetzungen zulassen, Fütterungsgruppen.
Die problemlose Geburt beginnt bei der Wahl des Besamungsstieres. Bei der künstlichen Besamung und beim Sprungstier muss man auf die Kuhherde Rücksicht nehmen.
Tipps vom Spezialisten:
- Richtige Fütterung im letzten Laktationsdrittel und in der Trockenstehzeit.
- Erhaltungsbedarf plus Leistungsbedarf für fünf bis zehn Liter Milch und rohfaserreiches Futter, Futter mit geringer Energiedichte verfüttern.
- Maissilage und Kraftfutter vermeiden.
- Tiere aber auch nicht hungern lassen, keine Gewichtsabnahme in der Trockenstehzeit.
- Bewegung und Auslauf anbieten.
Klauen und Euter vor der Geburt kontrollieren
Eine zeitgerechte Klauen- und Euterkontrolle und notwendige Impfungen sollten bei einer optimalen Geburtsvorbereitung nicht fehlen. Das rechtzeitige Umstallen in die saubere und komfortable Abkalbebox leitet die Geburtsphase ein. "Jede Kuh hat das Recht auf eine saubere Geburt," fordert Bernhard Samm die Zuhörer auf. "Achten Sie auf ausreichende, hygienisch einwandfreie Einstreu, rutschfesten Boden und darauf, dass die Tiere den Kontakt zu ihrer Herde halten können".
Tipps vom Spezialisten:
Die Phasen einer normalen Geburt, die Geburtshilfe, die Erstversorgung des Kalbes sowie die entsprechende Nachkontrolle waren weitere zentrale Themen. "Zuerst trinkt die Kuh, dann das Kalb, dann der Bauer und die Bäuerin", gab Tierarzt Samm den Mutterkuhhaltern als Merksatz für dieses Thema mit. "Hier ist es wichtig, der Kuh ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. Sie kann schon 40 Liter auf einmal saufen." Der Merksatz unterstreicht auch die Bedeutung der raschen Versorgung des Kalbes mit Biestmilch. "Hier wird der Grundstein für einen optimalen Start ins Kälberleben gelegt", so Samm.
Tipps vom Spezialisten:
- Ruhe bewahren.
- Jede Geburt überwachen.
- Für den Fall, dass Geburtshilfe notwendig ist, saubere Hände und Geburtsstricke, Einweghandschuhe und Gleitgel vorbereiten.
- Bei Unsicherheiten den Tierarzt anrufen.
Die Phasen einer normalen Geburt, die Geburtshilfe, die Erstversorgung des Kalbes sowie die entsprechende Nachkontrolle waren weitere zentrale Themen. "Zuerst trinkt die Kuh, dann das Kalb, dann der Bauer und die Bäuerin", gab Tierarzt Samm den Mutterkuhhaltern als Merksatz für dieses Thema mit. "Hier ist es wichtig, der Kuh ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. Sie kann schon 40 Liter auf einmal saufen." Der Merksatz unterstreicht auch die Bedeutung der raschen Versorgung des Kalbes mit Biestmilch. "Hier wird der Grundstein für einen optimalen Start ins Kälberleben gelegt", so Samm.
Der Fruchtbarkeitszyklus, ein Wunder oder Martyrium für den Besamer
Laut Samm ist eine gute Fruchtbarkeit die Grundlage einer wirtschaftlichen Mutterkuhhaltung. Die Geschlechtsreife tritt,
abhängig von Kondition und Gewicht, im Alter von etwa sieben bis zwölf Monaten ein. Die Zuchtreife wird mit einem Gewicht von zirka 65% des Endgewichtes erreicht. Der Zyklus dauert zwischen 18 und 24 Tagen, die Brunst 24 bis 36 Stunden und die Ovulation erfolgt zirka 13 Stunden nach der Hauptbrunst. Samm erläuterte die einzelnen Phasen der Brunst, Vorbrunst, Hauptbrunst und Nachbrunst und deren Merkmale. Voraussetzung für eine erfolgreiche Besamung ist das richtige und ausreichende
Beobachten, um den optimalen Besamungszeitpunkt zu erwischen. Jede Kuh hat ihre Eigenheiten, die man kennen muss. Aufzeichnungen gewährleisten optimales Fruchtbarkeitsmanagement. Rund 40% der Probleme lassen sich
auf das Fruchtbarkeitsmanagement, 30% auf die Fütterung, 15% auf die Genetik, 10% auf mangelnde Hygiene und Infektionen und 5% auf Haltungs- und Stallklimaprobleme zurückführen.
Durch saugende Kälber sind die Brunstsymptome
oft nicht so deutlich. © LK NÖ/Pöchlauer-Kozel |
Welche Zeichen muss der geübte Brunstbeobachter erkennen?
- Vorbrunst: Die Tiere suchen vermehrt Kontakt zu Stall- und Herdengenossen, verringern die Futteraufnahme und die Milchproduktion. Die Schamlippen zeigen sich gerötet, vergrößert und fühlbar warm. Die Scheidenschleimhaut ist gerötet, glänzend, mit zähem, klarem Schleim. Die Kuh selbst duldet noch nicht, besprungen zu werden.
- Hauptbrunst: In dieser Zeit wechseln Phasen der Ruhe und Aktivität. Die Kühe zeigen den sogenannten Duldungsreflex und bleiben stehen, wenn ein anderes Tier auf sie aufspringt, springen aber selbst auch noch auf andere Kühe auf. Weitere Zeichen sind ein aufgerauter Schwanzansatz, die geöffnete Zervix (Gebärmutterhals) und die Absonderung von klarem und fadenziehendem Schleim.
- Nachbrunst: Die Symptome schwächen sich ab, das Verhalten der weiblichen Tiere wird wieder normal, der Schleim dickt sich ein und verschwindet. Ein bis drei Tage nach der Brunst erfolgt das Abbluten. Die Intensität der Blutmenge lässt im Normalfall Rückschlüsse auf den Befruchtungserfolg zu. Kann man nur kleine "Blutfäden" erkennen, ist eine Einnistung der befruchteten Eizelle wahrscheinlich. Geht eine größere Menge Blutschleim ab, ist eine Einnistung der Eizelle sehr zweifelhaft.
Die Besamung sollte in der zweiten Hälfte der Hauptbrunst erfolgen, bis etwa vier bis sechs Stunden nach Abklingen der äußeren Brunstsymptome. Die Dauer und Intensität der Hauptbrunst wird von Umwelteinflüssen wie Temperatur, Licht, Luft und Fütterung beeinflusst. Sie ist aber auch tierindividuell verschieden. In der Mutterkuhhaltung kommt es öfters vor, dass die Brunst kürzer dauert und die Symptome schwächer sind. Gerade in diesem Zusammenhang gewinnen Aufzeichnungen und genaue Beobachtung an Bedeutung.
Über das Thema "Haltung und Fruchtbarkeit" informierte Tierärztin Elisabeth Stöger. Ihren Beitrag zur Tagung lesen Sie demnächst.
Arbeitskreis Betriebszweigauswertung in der Mutterkuhhaltung
Die LK NÖ bietet Arbeitskreise zur Betriebszweigauswertung
in der Mutterkuhhaltung an. Reinhard Gastecker zeigte Auswertungen zum Thema Fruchtbarkeit. Die durchschnittliche
Zwischenkalbezeit aller ausgewerteten Mutterkuhbetriebe mit Produktion von Jungrindern, das sind 228 Betriebe, liegt bei 400 Tagen. Die besseren 25% liegen bei 393 Tagen, die schlechteren 25% bei 426 Tagen. Eine der wichtigsten Aufgaben im Arbeitskreis ist es, gemeinsam Ursachen und Verbesserungskonzepte dafür zu finden. Gastecker erläuterte, wie Betriebe Problemfelder erkennen und Lösungen finden können. Die anwesenden Arbeitskreisbetriebe unterstrichen die Bedeutung des Bildungsangebotes.



