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Zucht auf hohe Lebensleistung

Milchkuhfamilien mit hohen Lebensleistungen sind von entscheidender Bedeutung. Besondere Beachtung finden dabei die Fitnessmerkmale: Nutzungsdauer, Persistenz und Zellzahl.
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Aus ökologischer Sicht sind die Wiederkäuer besonders hervorzuheben, weil sie die gespeicherte Sonnenenergie der Gräser, Leguminosen und Kräuter durch das hoch spezialisierte Vormagensystem mittels Kleinstlebewesen (Mikroorganismen) nutzen können. Für den biologisch wirtschaftenden Bauern sind die Leguminosen auch unentbehrliche Stickstoffsammler und für die Rinder sind es hervorragende Futterpflanzen. Die Besonderheit der "Grasfresser" liegt daher in der Tatsache begründet, dass sie auch in Energiemangelzeiten (= Getreideknappheit) keine Nahrungskonkurrenten des Menschen sind, wie das auf Schwein und Geflügel als "Körnerfresser" zutrifft.

Erosions- und Grundwasserschutz

Das Grünland ist als Dauerkultur mit 40 bis 60 verschiedenen Pflanzenarten gegenüber den Ackerkulturen – insbesondere der Maismonokultur – ein hervorragender Erosions- und Grundwasserschutz. Das Rind hat als Milch- oder Mutterkuh für die Grünlandgebiete eine weitere ökologisch und ökonomisch unverzichtbare Bedeutung als "Pfleger" der Kulturlandschaft.
Die landwirtschaftlichen Nutztierarten unterscheiden sich aber nicht nur in den verschiedenen Futteransprüchen, sondern auch in ihrer Effektivität, Futterstoffe in Lebensmittel umzuwandeln. Aus 1.000 g Futtereiweiß erhält man von Kühen mit 20 kg Tagesleistung etwa 270 g Milcheiweiß, von einem Maststier nur 110 g Fleischeiweiß. Die Milcherzeugung ist demnach mindestens doppelt so effektiv wie die Rindermast.

Naturgemäße Rinderzucht

Neben einer hohen Grundfutterleistung ist für die Wirtschaftlichkeit der Milchkuhhaltung die Nutzungsdauer von großer Bedeutung. In mehreren betriebswirtschaftlichen Arbeiten über die Nutzungsdauer wird für biologisch wirtschaftende Betriebe mit niedrigem Kraftfuttereinsatz der Schluss gezogen, dass mindestens sechs Laktationen (besser neun) erreicht werden sollen, um eine entsprechende Rentabilität zu haben.

Soll sich aber trotz steigender Milchleistung die Fitness (Fruchtbarkeit und Lebenskraft) nicht verschlechtern, so dürfen im Zuchtziel nur solche Merkmale berücksichtigt werden, deren Stoffwechselprozesse sich gegenseitig zumindest nicht hemmen, sondern womöglich fördern. Die schwierige Aufgabe der langfristig richtigen Gewichtung vieler Einzelmerkmale für den Selektionsentscheid wird "naturgemäß" am besten gelöst, wenn nach einem "Wert" ausgewählt wird, der alle lebensfördernden Merkmale so zusammenfasst, dass die Nachkommen überdurchschnittlich langlebig und leistungsstark sind, und das ist die Lebensleistung.

Schlussfolgerungen

Für die Arbeitsgemeinschaft österreichischer Lebensleistungszüchter ist daher das erste und wichtigste Auswahlkriterium die Kuhfamilie, in der hohe Lebensleistungen gehäuft vorkommen. Hat ein Zuchtstier später eine Zuchtwertschätzung aufgrund von Töchterleistungen in der 3. Laktation, wird zuerst nach der Fitness (Nutzungsdauer, Persistenz, Zellzahl) gereiht und innerhalb solcher Stiere nach der Fett-/Eiweißmenge. Dem Fleischwert wird in der Milchrinderzucht keine große Bedeutung beigemessen. Es sollte allerdings auch nicht gegen "Fleisch" selektiert werden, wie dies – ausgehend von Nordamerika – inzwischen auch in allen "Hochzuchtländern" bei den milchbetonten Nutzungsrichtungen üblich ist.

Buchtipp

Sehr empfehlenswert ist Haigers Fachbuch "Naturgemäße Tierzucht bei Rindern und Schweinen", erschienen im Österreichischen Agrarverlag, 2005, ISBN 3-7040-2073-7, erhältlich zum Preis von EUR 19,90 im Buchhandel.
18.02.2010
Autor:Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Alfred Haiger
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